Verkehr 29. Sep 2021 Von Peter Kellerhoff Lesezeit: ca. 2 Minuten

Materialmangel der Industrie nimmt immer mehr zu

Fast alle Automobilhersteller und Zulieferer klagen über Engpässe bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen.


Foto: panthermedia.net/phonlamai

Materialmangel und Engpässe bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen machen der gesamten Industrie schwer zu schaffen. Und diese Situation verschärft sich weiter. So klagten im September 77,4 % der deutschen Industrieunternehmen über Materialknappheit und Produktionsausfälle – womit der Rekord vom Vormonat (69,2 %) noch einmal deutlich übertroffen wurde. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Ifo Instituts hervor.

Automobilindustrie trifft es hart

Besonders betroffen ist mit 97 % die Automobilindustrie – Hersteller wie Zulieferer gleichermaßen. „Es sind viele Aufträge da, Unternehmen können diese gegenwärtig aber nicht produzieren“, sagt der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Auch in anderen zentralen Branchen ist der Anteil weiterhin sehr hoch: Bei elektrischen Ausrüstungen (93 %), dem Maschinenbau (89 %) und der chemischen Industrie (67 %). Laut Ifo Institut bleiben Preiserhöhungen auf der Agenda der Unternehmen.

Die Halbleiterkrise

Die durch die Corona-Pandemie bedingte Halbleiterkrise ist einer der Gründe für Lieferschwierigkeiten in der Automobilbranche, denn ohne Halbleiter bewegt sich heute kein Auto. Sie werden für Steuergeräte, Assistenzsystemen und bis zum Antrieb überall benötigt. Nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC sind allein im ersten Halbjahr 2021 4 Mio. Autos weniger gebaut worden als ursprünglich geplant. Volkswagen lag demnach 21 % unter Plan, Ford 18 %, Stellantis 15 %, Daimler 2 %. Eine kurzfristige Erholung der Versorgung mit Halbleitern ist laut PwC nicht zu erwarten.

Der Dominoeffekt

Wenn Automobilhersteller aufgrund fehlender Halbleiter oder anderer Materialien nicht produzieren können, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Zulieferindustrie. Das wurde vor wenigen Tagen der Heinze Gruppe zum Verhängnis. Der Automobilzulieferer aus Herford (730 Mitarbeitende), der Hersteller wie BMW, Mercedes-Benz oder Porsche mit Kunststoffteilen für die Innenausstattung versorgt, musste Insolvenz anmelden. Heinze-Geschäftsführer Jörg Tilmes macht die Fertigungsunterbrechungen wegen der fehlenden Elektrochips und der daraus resultierenden Auftragsstopps für sein Unternehmen dafür verantwortlich. „Die Autobauer produzieren nicht mehr, weil sie keine Halbleiter mehr bekommen. Also brauchen sie auch keine Kunststoffteile mehr“, sagte Tilmes gegenüber dem Westfalen-Blatt.

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